Manche von diesen Bedingungen sind hinreichend, andere notwendig. So kann einem
System mit wenigen Elementen und einer geringen Anzahl der Wirkungsbeziehung,
was unter Umständen zunächst als wenig komplex eingestuft wird, dann eine hohe
Komplexität erreichen, wenn sich die Dynamik steigert und der Beobachter (oder
Steuermann) nicht über ausreichend vielfältige oder leistungsfähige Strukturen
zur Reaktion bzw. zur beeinflussenden Aktion verfügt.esser die aufgezeigten
Einflussgrößen werden (Vernetzungsgrad, Anzahl der Elemente, Diversität), desto
höher ist der Objektbeitrag zur Komplexität.
Ebenso vereinfacht folgt bei Anwendung der Inhalte der PowerPoint-Präsentation
auf den Subjektbeitrag S: Je größer oder qualitativ besser die aufgezeigten
Einflussgrößen werden, desto geringer ist der Subjektbeitrag zur Komplexität.
Für O < S folgt: Das System ist beherrschbar.
Für O > S folgt: Das System ist nicht zu beherrschen (vgl. Ashby, Einführung in
die Kybernetik).
Die Komplexität des Gesamtsystems bestimmt sich damit gleichzeitig aus den
Eigenschaften des Steuermanns und des zu steuernden Systems.
Ein Beispiel: Im
Falle von Katastrophen steigt die Dynamik des Objektbeitrages derart an, dass
die mögliche Dynamik des steuernden Systems dem nicht mehr gerecht wird. Also
muss für das steuernde System geprüft werden, welche Strukturänderungen eine
verbesserte Reaktionsdynamik bringen. Ebenso kann beispielsweise die Diversität
des steuernden Systems zu gering sein.
Anlass meines hier vorgestellten Versuchs der Vereinheitlichung des
Komplexitätsbegriffes war das Erkennen der unbefriedigenden Situation, dass
manche Wissenschaftler einem Sandhaufen (geringe Diversität, geringer
Vernetzungsgrad, hohe Dynamik im Katastrophenfall) komplexes Verhalten
attestieren und andere den Komplexitätsbegriff eher aus der Diversität der
beteiligten Elemente (wie in soziologischen Systemen meist gegeben), nicht so
sehr aus deren Vielzahl herleiteten.
Manche Wissenschaftler gliedern auch die Dynamik aus dem Komplexitätsbegriff
aus, was wie gezeigt jedoch nicht sinnvoll ist.
Die gezeigten Zusammenhänge können auf beliebige Systeme angewendet werden und
vereinheitlichen damit einen eher geisteswissenschaftlich geprägten
Komplexitätsbegriff (bspw. bzgl. Systemen aus den Sozialwissenschaften) mit dem
einer eher physikalischen Weltsicht (bspw. bzgl. Systemen aus dem Bereich der
Physik).
Der Begriff der "Komplexität" kann mit diesem Erklärungsmodell für eine große
Bandbreite an Phänomenen verwendet und gewichtet werden.